Mir fehlen die Worte angesichts der furchtbaren Situation in der Ukraine. Aber wir sind nicht ohnmächtig. Jede und jeder kann einen kleinen Beitrag zur Verbesserung leisten.
Und so versuche ich mich hier an einem Text, der zum Scheitern verurteilt ist, weil er der realen Situation nie gerecht werden kann.
Soll ich meiner tiefen Anteilnahme am furchtbaren Schicksal von Millionen Menschen Ausdruck verleihen, die geflüchtet sind, ihr Zuhause verloren haben und in unfassbarem Schmerz vor einer Situation mit ungewissem Ausgang stehen? Meine Enttäuschung und Wut über das zögerliche Handeln der offiziellen Schweiz bei der Übernahme von Sanktionen in Worte fassen? Immerhin 80 Prozent des russischen Rohstoffhandels erfolgt über die Schweizer Finanzdienstleistungszentren Genf, Zug, Lugano und Zürich.
Lassen wir den Kundgebungen, den Solidaritätsbekundungen und Symbolen Taten folgen.
Die Schweiz ist eine zentrale Drehscheibe für den weltweiten Rohstoffhandel. Russlands und Wladimir Putins Verbündete bevölkern die Chefetagen von Banken und Rohstoffhäusern in Zug. Soll ich nun einmal mehr fordern, dass auch der Rohstoffhandel endlich von Sanktionen betroffen sein muss und Putin darüber nicht weiter wichtige Staatseinnahmen generieren kann? Als zentraler Aufenthalts- und Vermögensverwaltungsort der russischen Oligarchie sitzt die Schweiz vielleicht gar an einem der wichtigsten Hebel, um Putin entscheidend zu schaden und sein katastrophales Wirken einzudämmen – doch sie versäumt es bislang. Ich bin erschüttert, schäme mich, bin sprachlos.
Aber sind dies die Worte, die ich an Lesende mit der gleichen Ohnmacht, der gleichen Verzweiflung richten möchte? Was möchte ich mit meinen Worten bewirken? Und ich habe geschrieben und die Texte wieder verworfen. Ich verliere keine weiteren Worte mit Aufrufen, die angesichts der finanziellen Interessen der Schweiz verpuffen und uns alle mit noch mehr Enttäuschung, Schmerz und Wut zurücklassen. Es gäbe so viel zu sagen, aber vor allem gibt es so viel mehr zu tun.
Wir sind nicht ohnmächtig. Jede und jeder kann einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation auch nur eines einzigen Menschen leisten. Es kursieren Spendenaufrufe, vom Roten Kreuz, von Caritas, von vielen weiteren Organisationen, die die ukrainische Bevölkerung vor Ort unterstützen und mit essenziellen Gütern versorgen. Es gibt Sachspendensammlungen für Flüchtende und sogar die Möglichkeit, eine Unterkunft anzubieten, wenn man ein Plätzchen oder eine Ferienwohnung freihat. Neben politischen Personen, die sich für das Agieren der Schweiz mittels Kundgebungen und Petitionen starkmachen, sind wir immer auch Privatpersonen, die unkompliziert und direkt helfen können. Tun wir es jetzt. Helfen wir den Menschen, zeigen wir uns solidarisch und lassen den Kundgebungen, den Solidaritätsbekundungen und Symbolen Taten folgen. Noch heute, noch jetzt, als Menschen.
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