(bs) Der Souverän nahm 2020 die von den Grünen lancierte Artenvielfaltsinitiative an. Drei Jahre und 210’000 Franken standen dem Gemeinderat für die Stärkung der Biodiversität zur Verfügung. Thomas Honegger, Hochbauvorstand und im Gemeinderat zuständig für dieses Thema, zeigte den NaG auf einem Rundgang durch die Gemeinde konkrete Umsetzungsmassnahmen.

In allen Gemeinden rund um den See haben die Grünen im Jahr 2020 eine Initiative zur Erhöhung der Biodiversität eingereicht. Hintergrund dieses Anliegens war, dass sich die Biodiversität in einem alarmierenden Zustand befindet. Rund die Hälfte aller Arten und Lebensraumtypen in der Schweiz sind heute gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) bedroht oder potenziell gefährdet. Die Stimmberechtigten von Greifensee haben damals mit grosser Mehrheit diese Initiative angenommen und damit den Gemeinderat verpflichtet, im Umfang von 210’000 Franken neue, noch nicht geplante Aktivitäten zu realisieren, und zwar im Zeit-
raum von 2021 bis 2023.

Steilpass für Thomas Honegger

Als Mitglied der Grünen Greifensee hat sich Hochbauvorstand Thomas Honegger als der hierfür zuständige Gemeinderat über diesen Auftrag des Souveräns verständlicherweise gefreut. «Der Handlungsdruck brachte viel Bewegung in dieses Thema, damit konnte im Bereich der Artenvielfalt viel rascher viel mehr erreicht werden». Zuerst einmal galt es, Strukturen zu schaffen. Es wurde eine Biodiversitätskommission gegründet und via Gemeindeordnung als ständige Kommission fix verankert. Zudem konnte verwaltungsintern die Sensibilität und das Wissen bezüglich Biodiversitätsförderung erhöht werden. Gestützt auf das erstmals erarbeitete Biodiversitätskonzept der Gemeinde und verteilt auf sieben sogenannte Handlungsfelder wurden zahlreiche Projekte geplant.

Was wurde erreicht – ein Augenschein

Die Umsetzung der Artenvielfaltsinitiative wird fristgerecht bis Ende 2023 gelingen. Die meisten Projektideen wurden zwischenzeitlich realisiert, letzte Projekte befinden sich in Umsetzung. War das Budget von 210’000 Franken ausreichend? Honegger meint hierzu: «Ja, mit diesem Betrag konnten wir vieles in Gang setzen und realisieren. Kritischer war die Zeitvorgabe von drei Jahren. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr Zeit zur Verfügung zu haben und damit einzelne Projekt noch umfassender zu denken.» Auf einem Rundgang durch die Gemeinde führte Honegger die NaG zu verschiedenen realisierten Projekten. Sämtliche Massnahmen wurden auf den gemeindeeigenen Flächen getätigt. Honegger meint hierzu: «Wir haben uns in diesen drei Jahren bewusst auf diejenigen Flächen konzentriert, auf welchen wir als Gemeinde direkt Einfluss nehmen können. Massnahmen im privaten Bereich sind schwieriger und nicht so schnell umzusetzen. Zudem soll die Gemeinde auf ihren eigenen Grundstücken gegenüber der Öffentlichkeit eine Vorbildunktion wahrnehmen.»

Beispiel 1: Handlungsfeld «Biodiversität im Siedlungsraum»

Die gemeindeeigenen Grünflächen bei der Milchhütte, der Asylunterkunft und bei der Feuerwehr wurden im Frühling 2022 mit Wildblumenmischungen angesät und teils mit Wildsträuchern bepflanzt. Eine landwirtschaftlich genutzte Wiese beim Schulhaus wurde vor wenigen Wochen mit einer Ansaat einer Wildblumenmischung ökologisch aufgewertet. Honegger weist darauf hin, dass im ersten Jahr nach der Aussaat aktiv eingegriffen werden muss, um zu verhindern, dass einige Arten dominieren. In der
Regel benötigt eine solche Wiese zwei Jahre, bis sie den gewünschten Zustand erreicht. Die extensive Bewirtschaftung hat zudem den angenehmen Nebeneffekt, dass sich der Arbeitsaufwand für die Werkhofmitarbeitenden reduziert.

Beispiel 2: Handlungsfeld «Biodiversität im Landwirtschaftsgebiet»

Auf dem Grundstück beim Regenklärbecken Stogelwis konnte eine sogenannte «Reptilienburg» für Echsen erstellt und eine Wildblumenwiese angesät werden. Honegger zeigt zudem auf eine in der Nähe neu angepflanzte Hecke, die von eminenter Bedeutung ist, weil sie eine überlebenswichtige Beschattungs- undSchutzfunktion für Kleintiere besitzt.

Beispiel 3: Handlungsfeld «Förderung des Naturverständnisses»

In den letzten Monaten wurden auf dem Gemeindegebiet an verschiedenen Standorten Infotafeln montiert, um der Bevölkerung die verschiedenen Projekte bezüglich Biodiversitätsstrategie näherzubringen. Eine weitere Massnahme betrifft den im Sommer 2022 lancierten Gemüseschulgarten im Schulhaus Breiti.

Und was ist noch zu tun?

In vollem Gang sind die Arbeiten am eigentlichen «Leuchtturmprojekt», der Errichtung eines Biotops als Lebensraum für bedrohte Amphibien und Reptilien, nördlich angrenzend an den Friedhof Awandel. Dank dieser Massnahme wird ein Gebiet von überkommunaler Bedeutung entstehen, weshalb sich der Kanton mit 50% an den Gesamtkosten von ca. 115’000 Franken beteiligen wird. Die NaG werden in einer der nächsten Ausgaben umfassender über diese kostenmässig grösste Umsetzungsmassnahme berichten. Voraussichtlich bleiben nach Umsetzung aller Massnahmen noch ein paar Franken übrig. Diese sollen für die Bepflanzung neuer Bäume verwendet werden. Formell wird der Gemeinderat mit einem Bericht die Umsetzung der Biodiversitätsinitiative abschliessen. Die Bevölkerung soll 2024 über die getroffenen Massnahmen, deren Wirkungen und den weitergehenden Handlungsbedarf informiert werden. Zu hoffen ist zudem, dass die Gemeinde ergänzend hierzu auch geführte Begehungen organisiert, damit nicht nur die NaG in den Genuss von spannenden und lehrreichen Rundgängen kommen.

Werrikerbach

Übrigens, die sich im Abschnitt «Schulhaus Breiti» in Realisierung befindlichen Renaturierungsmassnahmen des Werrikerbachs wurden bereits vor der Artenvielfaltsinitiative geplant und sind daher nicht Teil der Umsetzung der Initiative.